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Nachrichten-Archiv

Meldung vom 02.04.2011: Reiseumleitung - Jetzt erhältlich im Amazon Kindle Store

Es kommt nicht alle Tage vor, dass jemandem zufällig eine Reisegruppe zuläuft. Genau vor diesem Problem steht Kerstin, als sie für ein Jobinterview nach Großbritannien reist. Da sie nicht Nein sagen kann, ergibt sie sich zähneknirschend in ihr Schicksal und mimt die erfahrene Reiseleiterin. Unterstützung bekommt sie schließlich von IT Spezialist Ian Clarke, der etwas geübter in der hohen Kunst der Improvisation zu sein scheint. Nachdem sich die Notgemeinschaft mit Hilfe von Tony, dem Busfahrer und ein paar schlechten Geschichten einige Zeit über Wasser halten kann, rückt die Stunde der Wahrheit unweigerlich näher. Reiseumleitung ist ein Reisebericht der etwas anderen Art. Die abenteuerliche Expedition quer durch Devon und Cornwall mit einem internationalen Sammelsurium von amerikanischen, japanischen, italienischen, schwedischen, ungarischen, russischen und französischen Touristen wird für das deutsch-englische Duo zu einer echten Herausforderung. Und zu einer Begegnung mit ihren Vorurteilen sowie ihrer eigenen kulturellen Identität.

Meldung vom 22.05.2010: Sommersonnenwende

Wir singen wieder! Klassikbegeisterte sollten sich folgendes Konzert dringend vormerken:

Ein fulminantes Musik-Feuerwerk.
Pünktlich zur Sommersonnenwende.
In der schönen St. Max Kirche im Münchner Glockenbachviertel.
Tickets ab sofort bei mir erhältlich.
Mehr Infos unter:
Kirchen- & Konzertchor St. Maximilian

Meldung vom 2.08.2005: Istkosten zu Planpreisen

Ein Jahr ohne Bloggen? Nicht auszudenken. Da der letzte Eintrag unendlich weit in der Vergangenheit liegt, fühle ich mich aus gegebenem Anlass veranlasst, um nicht zu sagen genötigt, ein paar Zeilen an meine treue Nichtzuhörerschaft zu schreiben. Um sämtliche Fragen gleich vorab zu klären: Meine Internetabstinenz hatte einige wichtige Gründe.

Zum Einen galt es ein kleines Wirtschaftsdiplom zu schreiben, das zwischen die anderen Termine Eis essen und Sommer in Passau genießen gezwängt werden wollte. Im Rückblick muss ich sagen, dass ich erstaunliche Dinge gelernt habe und es mich stark zu einer Partie Scrabble hinzieht, die ich mit dem urdeutschen Kraftausdruck "Kostenträgerstückrechnung" quasi schon gewonnen habe. Man sollte das Kult-Potential der Kosten- und Leistungsrechnung nicht unterschätzen.
Das gesellschaftliche Großereignis der Abschlussprüfungen hatte vor allem zur Folge, dass man sich nicht mehr normal unterhalten konnte, was in einigen von mir konstruierten emails deutlich wurde (s. rechts). Hierbei wären wir gleich bei meinem neuesten Hobby: dem Organisieren von Geburtstagen und Hochzeiten.

Es ist nun einmal eine traurige Tatsache, dass die Leute auf die verrücktesten Ideen kommen, wenn das Thermometer über 30 Grad klettert. Diesen Punkt hatten wir zwar schon vor 1 Monat überschritten, dennoch machten sich die Auswirkungen erst mit einiger Verzögerung bemerkbar und so wurde pünktlich zur Prüfungsperiode kräftig geheiratet.
Gleichzeitig hatte sich mein gesamter Bekanntenkreis in den Kopf gesetzt, im Juni oder Juli Geburtstag zu haben, was nicht fair ist, da ich mich auch auf den prüfungsfreien April verlegt habe.
Um meinem kreativen Ruf gerecht zu werden, konnte ich es dann doch nicht lassen und habe fleißig Gutscheine gebastelt und mit einem mehrköpfigen Team ein actionreiches Canada-Survival-Game entworfen, deren Höhepunkte zweifelsohne das Blockflötenduo Andrea & Andreas war, die in selbstloser Weise Nationalhymnen verhundsten, um es dem Rateteam nicht einfach zu machen. Das Spiel stieß übrigens auf derart große Resonanz, das sich spontan eine Vereinigung "Schrubberhockey gegen Lacrosse e. V." gründete.

Derartig großem Freizeitstress entflieht man nur durch gezieltes Joggen durch die heimische Flora, vorausgesetzt, es kommt einem kein Fluss entgegen. So wurden meine sportlichen Aktivitäten durch die hiesigen Naturgewalten erheblich eingeschränkt und es blieb nur die Nervenberuhigung durch übermäßigen Schokoladenkonsum. Beim erfahrenen Leser stellt sich natürlich die Frage, was unter "übermäßig" zu verstehen sei. Diese Definition ist einfach, wenn man sich vorstellen kann, dass man nach 1 Woche bereits vor den Suchtgüterregalen im Supermarkt steht und feststellt, dass man sich nicht für eine Serotoninsorte entscheiden kann, weil man bereits alle im Angebot vorhandenen Süßigkeitenvarianten durch hat. Unter Einbeziehung des eigenen monetären Grenznutzens und dem Progressionseffekt... - Sie merken, was ich meinte mit unterschwelligen Kommunikationsproblemen.

Meldung vom 5.11.200: Zurück auf der Raumstation

Nach 1 Jahr bin ich wieder gelandet, zurück auf meiner alten Raumstation. Die strahlenden Lichter blinken mir vertrauensvoll entgegen und große Fenster glotzen sehnsuchtserfüllt auf das dunkle Träumen des Nachthimmels. Meine Gedanken schweifen ab und ich erinnere mich an die Abenteuer meiner aufregenden Zeitreise. In den letzten Monaten durfte ich in eine längst vergessene Epoche unserer Weltgeschichte eintauchen und ein fremdes, aber freundlich gesinntes Volk kennen lernen, das den Klingonen in merkwürdig anmutenden Sitten und Gebräuchen in nichts nachsteht. Diese traditionsbewusste Spezies lebt in kleinen Hobbit-Häusern auf ihrem eigenen Planeten, umgeben von den schäumenden Wellen des Meeres. Ich konnte es kaum erwarten, der Sternenflotte einen vollständigen Bericht abgeben zu können. Es war nicht mein 1. Kontakt mit den Bewohnern dieser lustigen Insel und ich würde mich auf jeden Fall dafür einsetzen, die Handelsbeziehungen zu den höflichen Halbeuropäern aufrechtzuerhalten.

Eine Stimme riss mich aus meinen Gedanken: "Sisko a O'Brien..."
O'Brien runzelte die Stirn und schlug mit einem skeptischen Blick auf den Kommunikator auf seiner Brust: "Dica, capitano."
"Abbiamo un problema, capo. Un problema piu' grosso di quanto potessimo immaginare."
Vor mir taucht in 2x2 m die Defiant auf. Wahrscheinlich kommt gleich etwas durch das Wurmloch. Es kommt ja immer etwas durchs Wurmloch in Deep Space Nine. Ich bin hin und weg von unserem neuen Videobeamer: So muss man Star Trek schauen - "sullo schermo" - und natürlich auf italienisch, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen...
"Diario del capitano, data stellare 58287.671 (15 aprile 2381). Stiamo facendo rotta per la base stellare Deep Space Nine in risposta alla richiesta della Flotta Stellare di indagare sulla possibilità di una pace con il Dominio."

Ich bin zurück auf meiner kleinen Raumstation und muss sagen, ich fühle mich pudelwohl. Im Radio laufen wieder die "Fanta 4" und auf der Straße Hausfrauen mit Baumwolltaschen. Die Leute verstehe ich immer noch nicht, aber dafür verbringe ich 2/3 meiner Freizeit mit Muffin essen im Café Duft und frage mich beim Blick auf den Dom und die bunten Spielzeughäuser, warum ich eigentlich weggegangen bin. Natürlich bekomme ich beim Lauschen der verrückten Geschichten aus Vancouver und China ein bisschen Edinburgh-Heimweh, aber alles in allem bin ich glücklich, wieder Zugang zu Graubrot mit Hackepeter und deutscher Currywurst zu haben!

Der Uni-Alltag hat mich wieder und ich bin top motiviert durchzustarten. So sitze ich an meinem Schreibtisch und blicke auf die alte Stadtmauer, die im warmen Licht der letzten Sommersonnenstrahlen leuchtet. Neben der Analyse der Internetseite der BBC für mein Musik-Hauptseminar, beschäftige ich mich mit Öffentlichen Einnahmen, Kosten und Allgemeiner Wirtschaftspolitik, mit Hilfe der stimmungssteigernden Wirkung einer 1/2 Tafel Joghurtschokolade.
Auf der Jagd nach einem Diplomarbeitsthema beobachte ich mit britischer Skepsis das unruhige Treiben an der Universität. Beim Blick auf das Gedrängel vor der Mensa würde ich gerne ein wenig Queuing-Theory in die Menge schmeißen, verkneife es mir aber in gewohnt norddeutscher Zurückhaltung.
Bei der langen Nacht zur Wahl des amerikanischen Präsidenten liegen mir echt-englische Spötteleien auf der Zunge, aber ich unterdrücke sie fachmännisch und spüle sie mit etwas Mineralwasser herunter.
Nachdem ich zurückgekehrt bin, stelle ich fest, dass sich in Deutschland nicht viel geändert hat, außer, dass um mich herum fleißig geheiratet und Nachwuchs produziert wird. Beim wiederholten Lesen dieser Zeilen denke ich mir: "Ist doch alles Quark" und genehmige mir ein Getränk für Krieger.
"Conestabile Odo? Cheers!"

 Meldung vom 10.7.2004: Ein Jahr auf der Insel

Im Oktober 2003 ging es auf zu neuen Ufern und als Nordlicht konnte ich nach einer gehörigen Portion Niederbayern mal wieder zumindest in die Nähe heimischer Breitengrade gelangen. Ich atmete frische Seeluft und fühlte mich schnell wohl in meiner neuen Wahlheimat Durham.

Natürlich sollte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass mein Aufenthalt in Großbritannien reinen Forschungszwecken dienen sollte. Private Vergnügen und Ähnlichkeiten mit privaten Vergnügen sind rein zufällig und nicht intendiert. Primärziel meiner Exkursion war die Untersuchung britischen Lebens in allen Bereichen, vom Bildungswesen bis zur berühmt-berüchtigten Küche, von der Politik bis zum Regionalsport, von David Beckham bis zum Geschichtsbewusstsein dieses putzigen, kleinen Völkchens.

Um gleich einmal mit dem Schlimmsten anzufangen: Essen in Großbritannien. Ich stellte mit Entsetzen fest, dass man für den Preis eines einfachen britischen sandwiches in Deutschland schon essen gehen kann. Was tun? Ich sah mich gezwungen, mein Studium zugunsten des Geld Verdienens zu vertagen und flüchtete weiter gen Norden, nach Edinburgh. Leider vergaß ich, dass Kaffeekochen in der teetrinkenden britischen PR- und Werbebranche nicht besonders hoch dotiert wird, aber dafür machte ich supi Erfahrungen als Chefpraktikantin bei "Consolidated Communications" und "60Watt". In meiner 1. Mittagspause entdeckte ich ein weiteres Verbrechen an der westlichen Zivilisation: "deep fried mars bars". Die Erfindung der Fritöse ist schon doll, aber muss man gleich Schokiriegel einschmelzen?!? Da hilft nur "Abwarten und Tee trinken!"

Mit dem Geschichtsbewusstsein ist es auch nicht weit her. Viele meiner Mitmenschen wohnten noch immer in Hobbit-Häusern und trugen die Mode des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Obwohl ich outfit-technisch den Mut junger Briten honorieren möchte, denen jegliches Temperaturempfinden abhanden gekommen zu sein scheint: Mitten im Winter stehe ich mit Schal und Mütze an der Bushaltestelle in der Schlange und werde von miniberockten und spaghettiträgerbe-t-shirteten mädels überholt. Viel schlimmere optische Verbrechen stellten aber die zahllosen Junggesellenparties dar: Ich habe noch nie so viele rosa Hasenöhrchen, weiße Flügelchen und rotblinkende Teufelshörnchen in freier Wildbahn gesehen! Der absolute Höhepunkt war die unglückliche Kombination von schlechter Küche und freiheitsliebendem Exhibitionismus, verkörpert durch das Zur-Schau-Stellen verschiedener Speckröllchen in der Bauch-Frei-Zone.

Aber die Menschen waren gar nichts im Gegensatz zu den bekloppten Tieren, die hier frei herum liefen, allen voran, der angeblich beste Freund des Menschen. Was soll man zu diesen bewegenden Momenten noch sagen? Die Yorker Promenadenmischung rechts im Bild hält es ja auch mit Götz von Berlichingen oder welche Weltanschauung knüpft sich sonst an diese Frisur?
Die anderen Tiere waren aber nicht besser. Zu den sympathischten Säugetieren gehörten noch große Eichhörnchen und winzige Shetland-Ponies. Und wenn man so tut, als hätte man was zu Essen dabei, fressen sie einem sogar aus der Hand. Soviel Natur pur hätte ich in einer Metropole wie Edinburgh nicht erwartet. Das heisere Lachen der Glaswegians überhöre ich, die wahre Szene tobt im eigenen Stadtteil, nicht nur während des Internationalen Festivals.

Und die Moral von der Geschicht?

England und Schottland sind eine Reise wert, vorausgesetzt, man mag:

  • baufällige Sehenswürdigkeiten mit eigenwilligen Exbewohnern
  • stündlich wechselndes Wetter
  • Essen mit Eventcharakter
  • Witze über den Weltkrieg und "bossy German women"
  • Zeitverschwendung durch formvollendete Höflichkeit
Dumme Fragen